„Ganz weit draußen“: Eremitin Maria Anna Leenen im Interview

Maria Anna Leenen ist Autorin und Eremitin, also Einsiedlerin. Im Interview berichtet sie über ihr Leben,  ihren Glauben zu Gott und ihr neues Werk „Ganz weit draußen“, das im März 2016 erscheint.

Stell‘ dich doch bitte kurz vor.

Maria Anna Leenen:  „Ich bin eine Diözesaneremitin, das bedeutet, ich bin eine Einsiedlerin, die zu einem bestimmten Bistum gehört (ich gehöre zum Bistum Osnabrück) und zu keinem Kloster, zu keiner Gemeinschaft. Ich lebe in einem kleinen alten Bauernhaus, das ich mit meiner Familie und vielen Freundinnen und Freunden wieder bewohnbar gemacht habe. Mit mir leben hier zwei Katzen und zurzeit acht Zwergziegen.“

Du bist Eremitin, also Einsiedlerin: Was bedeutet das für dein Leben beziehungsweise deinen Alltag?

„Das Leben einer Eremitin ist ein Leben des Gebetes und der Kontemplation. Das bedeutet, dass das Gebet sozusagen die Hauptaufgabe ist. Außerdem ist es ein Leben in Armut, starker Zurückgezogenheit und Stille. Also auch wenn ich Kontakte habe (auch Eremitinnen gehen zum Gottesdienst, müssen einkaufen und zum Arzt, es kommen Menschen zum Gespräch etc.) bedeutet das, dass ich die überwiegende Zeit allein bin. Der Tag wird strukturiert durch verschiedene Gebete in der Kapelle (Stundengebet, Meditation, Schriftlesung etc.), aber das soll u.a. dazu führen, dass mein ganzes Denken, Fühlen und Handeln von der Hingabe an Gott geprägt ist. “

Wie geht es dir damit? Vermisst du etwas?

„Früher habe ich das Reisen und intensiven Sport vermisst und stundenlanges Kochen mit anschließendem Essen mit Freunden. Heute vermisse ich nichts mehr.“

Wieso hast du dich dafür entschieden Eremitin zu werden und wann?

„Das ist eine sehr laaaaaange Geschichte. Nach der Rückkehr zum Glauben bin ich katholisch geworden und in ein Kloster in Münster eingetreten. Das war eine sehr prägende Zeit und ich bin auch jetzt nach 23 Jahren immer noch zutiefst dankbar für die gute Zeit dort. Ich habe weiterhin liebevollen Kontakt mit meinen damaligen Schwestern. In dieser Zeit ist mir klar geworden, dass ich eine andere Berufung habe, nämlich die zur Einsiedlerin. Zuerst war ich aber etwas erschrocken, weil ich nicht wusste, wie das gehen soll. Der Weg war lang und schwierig. Jetzt lebe ich seit 1993 als Einsiedlerin.“

Wie bist du überhaupt zum Glauben gekommen?

„Ich habe eine Weile in Südamerika gelebt und dort eine sehr intensive innere Erfahrung gemacht. Kurz gesagt: Mir ist schlagartig bis in mein Innerstes klar geworden, dass ich Jesus brauche, wenn ich ein gutes, erfülltes Leben führen möchte. “

Wieso hast du dich für ein Leben mit Jesus entschieden?

„Weil ich ihn liebe.“

Hast du schon einmal etwas mit Gott erlebt?

„Ich erlebe ihn immer wieder als denjenigen, der mein Leben führt. Aber er ist auch das größte, schönste und spannendste Geheimnis, das ich kenne.“

Was sagen Leute, wenn du ihnen erzählst, dass du Eremitin bist?

„Hm, unterschiedlich. Manche tippen sich an den Kopf. 🙂 Andere sind neugierig. Die meisten haben total altertümliche Vorstellungen, z.B. ich schlafe im Sarg, ich bete den ganzen Tag ein Vaterunser nach dem anderen oder sie wundern sich, dass ich nicht ein langes Gewand mit Kapuze trage. (Ich trage einfache Klamotten, meist Second-Hand.) Oder sie sind der Ansicht, dass ich so lebe, weil ich Angst um mein Seelenheil habe. Aber eremitisches Leben lebt man nicht für sich, sondern immer für die anderen Menschen mit.

Als Beruf bist du Autorin, bringst im März 2016 dein nächstes Werk „Ganz weit draußen“ heraus. Wie bist du zum Schreiben gekommen?

„Ich bin als Kind mit Büchern aufgewachsen und habe schon sehr früh kleine Geschichten und Gedichte geschrieben. Und so hat sich das langsam entwickelt. Ab 1994 habe ich das dann zu meinem Beruf gemacht.“

Und warum christliche Bücher?

„“Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben“. Das ist ein sehr weiser Rat eines meiner geistlichen Begleiter gewesen. Ich habe das Talent zum Schreiben von Gott bekommen. Mit den Büchern über den Glauben gebe ich an die Menschen weiter, was ich selber geschenkt bekommen habe.“

Bildschirmfoto 2016-02-14 um 12.38.56Worum geht es in „Ganz weit draußen“?

„Es ist eine spannende Geschichte um Tessa und Marie. Tessa ist mit ihrem Leben nicht mehr zufrieden. Alles läuft irgendwie nicht mehr rund. Die Beziehung zu Timo funktioniert nicht mehr, es gibt dauernd Streit. Der Job im Briefzentrum ist anstrengend und öde und überhaupt . Und mit Gott und Kirche will sie auch nichts mehr zu tun haben. Auf einem Fahrradausflug trifft sie zufällig auf Marie, die als Eremitin im Wald lebt. Sie bleibt eine Zeit dort, kommt vielen Dingen auf die Spur und verlässt die Klause mit neuem Vertrauen zu Gott.“

Was möchtest du den Lesern damit sagen?

„Viele Schwierigkeiten mit Gott, mit dem Glauben, mit der Kirche beruhen auf unsere fest gefahrenen falschen oder verzerrten Bildern von Gott und/oder von der Kirche. Es lohnt sich, dort einmal nachzuschauen und zu überprüfen, woher diese falschen Bilder kommen. Das löst oft ganz überraschend Blockaden. “

Sind die Geschichten aus deinen Büchern erfunden oder beruhen sie auf wahren Begebenheiten?

„Vieles von dem, was ich dort in den Roman eingebaut habe, beruht auf wahren Begebenheiten. Denn in die Klause kommen viele Menschen, die mit mir über Gott sprechen und von ihren Schwierigkeiten glauben zu können, beten zu können usw. Es ist aber alles sehr stark verfremdet, so dass niemand befürchten muss, ich hätte aus vertraulichen Gesprächen etwas ausgeplaudert.“

Du lebst vom Verkauf der Bücher. Reicht das, um leben zu können?

„Ach ja, schön wär’s. Meist reicht es nicht. Darum halte ich manchmal Vorträge, die gut bezahlt werden. Und ab und zu gestalte ich Kerzen für Kirchengemeinden. Irgendwie reicht es dann immer.“

Was möchtest du den Lesern dieses Blogs noch sagen?

„Mehr denn je ist es heute wichtig über den Glauben zu sprechen und sich auszutauschen. Deshalb finde ich diesen Blog wundervoll und hoffe, dass er weiterhin so viele interessierte Leserinnen und Leser findet!!“

Leseprobe „Ganz weit draußen“

Alles wirkte ruhig, aber nicht einschläfernd. Im Gegenteil – Tessa war wie gebannt von der Ausstrahlung des Raumes – es herrschte eine Art spannungsvolle oder besser: eine belebende, konzentrierende Ruhe hier, dass sie ohne den Blick von der Giebelwand zu lösen, nach einem der Holzhocker neben der Tür tastete, das Buch, das darauf lag, zur Seite schob und sich blind setzte. Für einige Augenblicke saß sie ganz vorn auf der Kante des Hockers, dann löste sich eine innere Spannung in ihr, sie rutschte ein Stück weiter nach hinten und spürte die Atmosphäre wie einen leichten, warmen Luftstrom.

Weich war er, doch nicht schlaff; sanft, aber gleichfalls voller Kraft – der Raum schien eine Form von Energie auszustrahlen, die nicht nur gut tat, sondern wie ein Landregen auf ausgetrocknete Gärten aufmerksam und willkommen von Tessa aufgenommen wurde. Ohne, dass sie etwas dazu beitrug, einfach so. Es war, als hätte sie seit Ewigkeiten darauf gewartet hierher zu kommen und sich in diesem Raum mit ihr beschenken zu lassen.

Infos über  „Ganz weit draußen“

Ganz weit draußen
adeo-Verlag Asslar 2016
ISBN 978-3-86334-087-2
ca. 208 Seiten, voraussichtlicher Ladenpreis 17.99 €
Erscheint März 2016

Deutschlandweite Lesungstermine

31.3. 2016, 19.00 Uhr, Atrium Kirche Bremen, Hohe Straße 7, 28195 Bremen, Leiter Hans-Peter Ostermair. Mail: info@atriumkirche.de, Eintritt frei

5. April 2016, 19.00 Uhr, Cafeteria des St. Sylvesterstiftes, Grüne Straße 24, 49610 Quakenbrück. Ansprechpartnerin: Marlene Macke, mail: marlenemacke@gmx.de
Eintritt frei

14.4. 2016, 20.00 – 21.30 Uhr, Jugend- und Pfarrzentrum St. Nikolaus Ankum / Haus Kirchburg, 49577 Ankum, Hauptstraße, Ansprechpartner: Pfr. Ansgar Stolte, ansgar.stolte@bistum-osnabrueck.de
Eintritt frei

17.4 2016, 11.00 Uhr Matinee/Autorenlesung, Katholische Akademie Stapelfeld, Stapelfelder Kirchstraße 13, 49661 Cloppenburg, Ansprechpartner: Heinrich Dickerhoff mail: info@ka-stapelfeld.de
Eintritt frei

19.5.2016, 19.00 Uhr, St. Antoniushaus Vechta, Klingenhagen 9, 49377 Vechta, Ansprechpartnerin Petra Focke, mail: focke@antoniushaus-vechta.de,
Eintritt 6,00 €

Weitere Bücher der Autorin

 

Ein Bild von Maria Anna Leenen haben wir nicht bekommen, da sie ihre Verborgenheit schützen möchte.

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4 Gedanken zu “„Ganz weit draußen“: Eremitin Maria Anna Leenen im Interview”

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